Tonfilm, s/w; 114 Minuten
Deutschland, 1935
Regie: Leni Riefenstahl
Kamera: Sepp Allgeier, Walter
Frentz, u.v.a.
Musik: Herbert Windt
Uraufführung am 28.03.1935 im UFA-Palast am Zoo, Berlin
Es dürfte wohl in der Filmgeschichte
keinen einzigen Film geben, der in seiner Rezeption so extrem kontrovers
beurteilt wird wie "Triumph des Willens". Nirgendwo sonst
divergieren moralisch-politische und künstlerisch-ästhetische Bewertungen
mehr als bei diesem Film. Zu seiner Zeit noch international ausgezeichnet
("Bester ausländischer Dokumentarfilm" beim Internationalen
Filmfestival in Venedig 1935; Goldmedaille bei der Weltausstellung in Paris
1937) wurde er Leni Riefenstahl, und hier insbesondere natürlich in
Deutschland, nach 1945 zum Verhängnis. Dieser Film allein, mit der
Konsequenz einer untrennbaren Assoziation zum NS-Regime, dürfte bewirkt
haben, daß ihre Karriere als Regisseurin nach 1945 beendet war, und alle
weiteren Projekte bereits im Ansatz zum Scheitern verurteilt waren.
Einerseits wird "Triumph des
Willens" als Meisterwerk der Film- und Bildsprache angesehen,
andererseits stellt er wohl die Perfektion des Propaganda-Films dar. Noch
heute ist ein Verkauf und eine Aufführung des Films in Deutschland nur zu
wissenschaftlichen Zwecken oder Lehrvorführungen erlaubt.
Leni Riefenstahl sieht "Triumph
des Willens" nicht als
Propaganda-Film an, da sie für sich beansprucht, in diesem Film nur
dokumentarisch den Ablauf des 6. Reichsparteitages der NSDAP in Nürnberg
1934 festgehalten zu haben, ohne daß ein Kommentar den Ablauf untermalt
hätte, oder daß bestimmte Abläufe des Parteitages auf die Filmarbeiten
abgestimmt worden wären. Nach eigenen Angaben fand sie sich 1934 nur
widerstrebend unter Druck Adolf Hitlers bereit, diesen Film zu drehen,
nachdem sie bereits im Jahr zuvor auf Wunsch Hitlers den Parteitag von 1933
dokumentarisch verfilmen mußte ("Der Sieg des Glaubens"), ohne
spezielle Vorbereitung, ausreichende Mitarbeiter und Material.
Für die Verfilmung des
Reichsparteitages 1934 in Nürnberg standen Leni Riefenstahl dann
mit 18 Kameramännern (unter
ihnen Sepp Allgeier und Walter Frentz)
und weiteren Assistenten ungleich bessere Möglichkeiten zur Verfügung.
Innovative und ungewöhnliche Methoden der Bildgestaltung und
Filmkomposition kamen nun in bislang nicht gekanntem Ausmaß zum Ausdruck.
Neue Aufnahmetechniken, ungewöhnliche Kamerapositionen, auf Schienen
fahrbare Kameras ("Beweglichkeit der Kameras"), ja sogar ein an
einem Fahnenmast angebrachter kleiner Fahrstuhl-Lift ermöglichten
Bildkompositionen ungekannter Art und Wirkung, die durch die speziellen
dramaturgischen Methoden der fünf Monate beanspruchenden Schnitt-Arbeiten
und der musikalischen Untermalung bislang nicht gesehene Eindrücke
schafften. Die zunächst von dem bekannten Regisseur Walter Ruttmann
("Berlin. Symphonie einer Großstadt") bereits begonnenen Arbeiten
("Prolog") wurden bei der Fertigstellung des Films nicht mehr
berücksichtigt. Dies vermutlich aus politischen Gründen, weil
der in seinem Portrait des Aufstiegs der NSDAP noch auftretende SA-Chef
Ernst Röhm nach seiner Ermordung nicht mehr erscheinen durfte.
Betrachtet man den Begriff
"Propaganda-Film" auch als (nachträgliche) Form einer
ideologischen Stilisierung, Bearbeitung und Montage eines filmischen
Materials, hier des Dokumentarfilms, so ist "Triumph des Willens"
sicher auch als "Propaganda-Film" einzustufen, wenngleich es
niemals Ziel und Absicht im künstlerischen Schaffensprozeß der Regisseurin
gewesen sein sollte. Im Unterschied zu einem reinen Dokumentarfilm wurden
zusätzlich Form- und Gestaltungs-Elemente anderer Film-Gattungen verwendet
(als Beispiel ist hier insbesondere die Eingangssequenz mit der Landung von
Hitlers Flugzeug in Nürnberg zu nennen) und der chronologische Ablauf der
Ereignisse wurde aufgehoben. Im Gegensatz zu "Der Sieg des Glaubens"
ist "Triumph des Willens" mit wesentlich mehr Groß- und
Nah-Aufnahmen Hitlers deutlicher auf die "Hauptperson" Hitler
bezogen.
Nach Angaben der Ufa gehörte der
Film zu den besten drei Filmen des Produktionsjahres 1934/35, bzw.
stand auf Rang 6 der erfolgreichsten Filme des Jahres 1935/36.
Diskussionen mit der im Film aus
künstlerischen Aspekten vernachlässigten Reichswehr ließen aus einer
Kompromiss-Lösung heraus 1935, anläßlich des 7. Reichsparteitages, noch
den Film "Tag der Freiheit! - Unsere Wehrmacht!" entstehen.
Der 28-minütige Film wurde vornehmlich von den Kameramännern Sepp
Allgeier, Hans Ertl, Walter Frentz, Guzzi Lantschner und Willi Zielke
geschaffen.
Der Film "Triumph des
Willens" trug und trägt immer noch sicher am meisten zur Bekanntheit
und Berühmtheit Leni Riefenstahls im In- und Ausland bei. Doch auch wenn
hier schon Innovationskraft, Kreativität und außergewöhnliche Bild- und
Formgestaltung in Leni Riefenstahls Filmschaffen einen Höhepunkt
erreichten, so stellt für mich "Olympia" ihr eigentliches
Meisterwerk dar, in dem ungleich höhere logistische, filmische und
künstlerische Anforderungen erfüllt werden mußten.


Derzeit in Europa (nicht in
Deutschland!) in folgenden Formaten erhältlich:
- Video:
- DD-Video
(North Harrow, Mddx, England)
mit Bonus: "Tag der Freiheit" (gekürzte Fassung)
- DVD:
- DD-Video
- Moonstone Pictures MSD 1256
Es stammt aus folgendem Buch:
Smith,David Calvert:
TRIUMPH OF THE WILL: A FILM BY LENI RIEFENSTAHL.
Richardson, Texas: Celluloid Chronicles Press (Chronicle Film Script Series),
1990
Weiteres Bildmaterial:
Illustrierter Filmkurier "Triumph des Willens"
Empfehlenswerte
(deutschsprachige) Literatur:
Loiperdinger, Martin:
"Triumph des Willens" - Einstellungsprotokoll des Films von Leni
Riefenstahl
Filmland-Presse, München 1980
Loiperdinger, Martin:
Rituale der Mobilmachung - Der Parteitagsfilm "Triumph des
Willens" von Leni Riefenstahl
Leske und Budrich Verlag, Opladen 1987
Links zum Reichsparteitagsgelände und
Dokumentationszentrum in Nürnberg:
http://www.museumsvielfalt.nuernberg.de/dokumentationszentrum/
http://www.museen.nuernberg.de/reichsparteitag/index_reichsparteitag.html
http://www.nuernberg.de/tourismus/rundgaenge/reichsparteitagsgelaende/


Eingang zum Dokumentationszentrum
Reichsparteitagsgelände an der NS-Kongresshalle in Nürnberg
mit der Ausstellung "Faszination und Gewalt"
auf 1300 Quadratmetern Fläche.
Geschichtlich Interessierten ist ein
Besuch des Dokumentationszentrums sehr zu empfehlen. Aufgrund der Fülle der
Informationen kann man sicher einen halben Tag einplanen.

Kongresshalle (Ansicht von Südost) auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände.
Sie blieb im Bau unvollendet. Im Nordflügel der Bauruine wurde das Dokumentationszentrum
Reichsparteitagsgelände eingerichtet und im Jahr 2001 fertiggestellt.

Zeppelin-Tribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände
Die Zeppelin-Tribüne auf dem Zeppelinfeld ist neben
der Kongresshalle das einzige, zumindest partiell erhalten gebliebene
Bauwerk auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Hier wurden, wie in
der 1959/1960 abgetragenen Luitpoldarena im
Luitpoldhain, die Massenaufmärsche und Kundgebungen der NS-Reichsparteitage
abgehalten.
Die Pfeilerreihen links und rechts der Haupttribüne wurden 1967 wegen
Baufälligkeit abgetragen.
(Fotos: Helmut Schmidt © 2003)
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